Briefe an Freunde, Aktuelles aus Novosibirsk (Norbert Schott)

Olympische Winterspiele in Russland - warum auch nicht? (6. Februar 2014)

Was liest, hört und sieht man dieser Tage nicht alles Schlechtes über Sotschi.

Hilfe, eine Winterolympiade in einer subtropischen Klimazone! Das ist ja fast so absurd, wie eine Winterolympiade in Zürich - obwohl doch jeder weiß, dass Zürich an einem See liegt! Wie jetzt? In der Nähe von Zürich ist ein Gebirge, und dort gibt es sogar Berge mit bis zu 4810 Meter Höhe? Ja ja, Zürich liegt in der Nähe der Alpen und bis zum Mont Blanc sind es 214 Kilometer Luftlinie.

Sotschi liegt in der Nähe des Kaukasus. Dort gibt es Berge bis zu 5642 Meter Höhe. Ja ja, vom Olympiastadion Sotschi bis zum Elbrus - übrigens der höchste Berg Europas - sind es auch nur 202 Kilometer.

2003 bin ich mit dem Skilift in Krasnaja Poljana - dem Austragungsort der alpinen Wettbewerbe - auf die Berge des Kaukasus gefahren. Es lag Schnee ... im Mai! Allen Zweiflern sei also versichert, es wäre ein Wunder, wenn bei der diesjährigen Winterolympiade plötzlich kein Schnee vorhanden wäre.

Die ganzen Wintersportanlagen - wer soll die denn nach Olympia benutzen?! Vielleicht die 143 Millionen Russen, 45 Millionen Ukrainer und 9 Millionen Weißrussen, die jetzt noch in die 2300 Kilometer entfernte Schweiz fliegen, anstatt im 1400 Kilometer entfernten Kaukasus die Ski und Snowboards unter die Füße zu schnallen? Wenn es in den Alpen für nicht einmal 100 Millionen Deutsche, Schweizer und Österreicher bestimmt zwei Dutzend Skigebiete gibt - so sollte es doch möglich sein, mit der doppelten Zahl russischsprachiger Menschen das erste vernünftige Skigebiet im europäischen Teil Russland auszulasten! (Sibirien hat schon eins.)

Ja aber die Bobbahn - jetzt wird da Geld für eine Bobbahn verschwendet, die später kein Mensch braucht?! Ich empfehle einen Blick in die Wikipedia, Artikel "Liste der Rennrodel- und Bobbahnen". Für Deutschland sind dort vier international genutzte Sportstätten genannt. In Sotschi wurde für die Olympiade die zweite russische Rodelbahn errichtet.

Na dann ist doch wenigstens der Eispalast überdimensioniert, oder? Falsch! Wo, wenn nicht in Sotschi wäre eine ganzjährige Nutzung einer solchen Anlage nach einer Winterolympiade denkbar? Sotschi ist immer attraktiv - im Winter als Skiparadies, im Sommer für Strandurlaub. Konzerte, Festivals - kein anderer Ferienort der Welt hat über das ganze Jahr die Möglichkeit, eine solche Halle zu füllen. Sotschi hat das Potential dazu.

Aber die Menschen, die umgesiedelt wurden! Zugegeben, das trübt das Bild. Aber bei jedem Neubau muss Altes weichen - das war bei der Olympiade in London nicht anders. Dort, wo nun das Olympiastadion steht, habe ich vor elf Jahren übernachtet - in einer wild zusammengeschusterten Ferienhütte am Rand von Sotschi. Baustil - Fehlanzeige. Brandschutz - nie gehört. Ferienort - wohl kaum. Ob nun mit oder ohne Olympia - wenn Russlands Schwarzmeerküste wieder zum Reiseziel werden möchte, dann sind solche Modernisierungen leider unumgänglich.

Und die Regimekritiker, die Putin verurteilen lassen hat? Tja, da hat Putin mit Europa ein wenig "gelenkte Demokratie" gespielt - wenn die Proteste zu groß werden, lassen wir dort, wo es nicht weh tut, ein wenig die Luft heraus. Und es war ja nun wirklich egal, ob der Chodorkowski und die Pussy Riots im Sommer oder schon ein paar Monate früher frei kommen. Aber wogegen will Europa nun noch protestieren? Richtig, gegen ...

... die Schwulengesetze! Also, aller Spaß beiseite. Es ist in Russland nicht verboten, offen schwul zu sein. Jeder Sportler darf mitmachen, auch mit gleichgeschlechtlichem Partner anreisen, und eine schwuler Sportler darf auch ganz offiziell mit seinem Mann gemeinsam übernachten. Er darf sich natürlich die Fingernägel als Regenbogen lackieren.

Aber er darf nicht mit einem Plakat vor dem Stadion herumrennen: "Schwul ist cool!" Das ist verboten, genauso wie es in Deutschland verboten ist, als ultraorthodoxer Christ seine Kinder nicht in die Schule zu schicken. Das ist übrigens in Russland erlaubt.

Ich habe einige schwule Freunde, und bin sicher nicht homophob. Aber ich muss es akzeptieren, dass die russische Bevölkerung leider voll und ganz hinter dem Gesetz ihres Parlaments (und nicht ihres Präsidenten) steht, wonach Werbung für nichttraditionelle sexuelle Beziehungen nicht erlaubt ist. Das ist die Souveränität eines Volkes, solche Regeln zu definieren - so lange sie niemandem schaden. Keine Werbung für seinen Lebensstil zu machen, ist in meinen Augen kein Schaden - so lange man selbst leben darf, wie man will.

Und wenn nun von außen gefordert wird, deutsche Sportler müssten dagegen ein Zeichen setzen - Entschuldigung, das ist dumm. Denn es bekräftigt genau jene Menschen in Russland, die überzeugt sind, dass Homosexualität eine vom Westen eingeschleuste Seuche ist, um Russland mit geringeren Geburtenzahlen zu schwächen. Und das hilft den Schwulen und Lesben in Russland überhaupt nicht - sondern macht die Situation für sie nur viel brenzliger.

Wirklich interessant, dass plötzlich sogar Spiegel-Online bemerkt hat, dass dies Homosexuelle hier ähnlich sehen. Im Reisetagebuch nach Sotschi wird ein Transvestit zitiert: "Putin ist einfach ein schlauer Fuchs. Der Präsident weiß, dass es Russland zerreißen wird, wenn er Gay-Paraden erlauben würde."

Interessanterweise ist für die Olympia-Eröffnungsfeier ein ganz spezieller Programmpunkt angekündigt - t.A.T.u., das russische, vorgeblich lesbische Pop-Duo aus dem letzten Jahrzehnt.

Die Spiele mögen beginnen!

P.S.: Natürlich, keine Frage - Umweltzerstörung und Korruption in der Bauphase sind echte Probleme dieser Olympischen Spiele. Ich habe bewusst jene Beispiele herausgegriffen, die in den letzten Wochen aus meiner Sicht sehr verdreht dargestellt wurden.

Die oben zitierten Quellen:

Wikipedia: Liste der Rennrodel- und Bobbahnen
spiegel.de: Rostow am Don - Medaillenjagd im Stripclub
Meine Erlebnisse in Sotschi 2003

Die Nazis und der Waschlappen? Ich weiß es nicht. (27. Februar 2014)

An sich hatte ich vor, nach Abschluss der Olympiade noch ein paar Worte zu meiner Bemerkung bezüglich der Situation von Schwulen und Lesben in Russland zu ergänzen. Aktuell finde ich aber ein anderes Thema deutlich gravierender, und das ist die Lage in der Ukraine.

Eine realistische Einschätzung der Lage ist in meinen Augen schier unmöglich. Schaut man russische und deutsche Nachrichten, so wird scheinbar von verschiedenen Planeten berichtet. Weggelassen wird auf allen Seiten, und zwar gehörig. Tagelang konnte ich nicht ansatzweise verstehen, ob nun die europäische oder die russische Presse mehr Propaganda betreiben. Aktuell scheint mir, dass offensichtlich die westliche Darstellung näher an der Realität war: ein frustriertes Volk, viele friedliche Demonstranten, etliche verrückte Idioten. Die russische Darstellung wäre dagegen: ein überforderter Präsident und ein randalierender Nazi-Mob, finanziert von Amerika.

Mein Eindruck, dass eher die russische Presse übertreibt, gründet sich darauf, dass es in weiten Teilen der östlichen, pro-russischen Ukraine im Moment ruhig ist. Von der Krim abgesehen keinerlei Demonstrationen für die bisherige Regierung. Im Gegenteil, der bisherige Präsident Janukowitsch wurde in seiner Hochburg Donezk nicht aus dem Land gelassen und seine Widersacherin wurde in seiner zweiten Hochburg Charkow ohne radikale Einflüsse laufen gelassen. Das Landhaus Janukowitschs will niemand mehr bewachen, Berkut hat die Waffen sehr schnell niedergelegt und im Parlament - wo die Mehrheit in der Hand von Janukowitschs Partei ist - wurde seine Abwahl beschlossen.

Russische Kollegen würden meiner Darstellung natürlich sofort widersprechen: Die Mehrheit hat nur so abgestimmt, weil sie sonst der pöbelnde Nazi-Mob vor der Tür gelyncht hätte. Und Berkut war die ganze Zeit vollkommen unbewaffnet und hätte schon monatelang schießen können. Erst nachdem der Mob losgemordet hat, musste man sich wehren. Und grundsätzlich sind die verabschiedeten neuen Gesetze reine Makulatur, da eine Verfassungsänderung ohne Unterschrift des (geflohenen) gewählten Präsidenten nicht gültig ist.

Einig sind sich alle - Janukowitsch musste weg. Europa, weil nach der uns bekannten Darstellung schießen lassen hat. Russland, weil er nach der hier gültigen Doktrin viel zu spät eingegriffen hat. Kein Scherz, wir waren am Wochenende im Dorf, wo einem jeder offen sagt: "Dieser Waschlappen hätte sofort schießen sollen!" Es schockiert mich, wie stumpf gekonnte Propaganda Menschen machen kann.

Ja, Janukowitsch war gewählt. Aber wenn ich als Präsident sehe, dass Teile meines Volkes bereit ist, sich mit Keulen und Äxten bewaffnet gegen mich zu stellen - dann rufe ich Neuwahlen aus und zeige, dass diese Verrückten keinen Rückhalt im Land haben! (Wenn ich solche Wahlen nicht gewinnen kann, dann ist meine Legitimation fragwürdig - und warum sollte ich dann an diesem Posten kleben?)

Aber genauso verurteile ich die Protestierenden - egal wie wütend oder hoffnungslos diese waren. Wenn ich als Oppositionsführer sehe, dass eine Demonstration sicher zum Tod dutzender Menschen führen wird - sei es aufgrund von Provokateuren oder aufgrund von irren Radikalen in meinen Reihen -, dann bin ich klug genug und vermeide ich eine solche Eskalation.

Dass beiden Seiten diese Vernunft fehlte, ist unglaublich traurig.

Was der Ukraine fehlt, ist eine nicht korrupte Führungsperson, welche klar aufzeigt, welche Folgen welche Politik hat. Eine Annäherung an Russland mit finanziellen Vorteilen aber einer von Moskau diktierten Politik. Oder eine Annäherung an Europa, mit liberaler Politik, aber auch mit einer langen und harten finanziellen Durststrecke. Aber weiter hin und her taumeln zwischen EU und Russland, wie schon die letzten 15 Jahre, führt nur zu noch mehr Armut und im schlimmsten Fall noch mehr Toten.

Ich vermisse in der Ukraine eine Person, welche ihr Volk eint. Und sei es ein ukrainischer Putin. Eine Person, welche dem ukrainischen Volk ein gutes Bauchgefühl gibt: Ja, diese Person möchte unser Land voranbringen (und hat nicht den eigenen Reichtum als vorrangiges Ziel). Klitschko nehme ich dies ab (er ist reich genug) - aber ihm fehlt das politische Geschick und die Rhetorik für diese Rolle. Timoschenko ist bekannt für Korruption - da sind sich Ukrainer und Russen einig. Wer bleibt übrig? Die Nationalsozialisten von "Swoboda", welche bei Bildungsreisen in Deutschland der sächsischen NPD-Fraktion einen Besuch abstatten? Das kann es ja nun auch nicht sein.

Wie man es auch dreht - ein Überspringen auf Russland halte ich für ausgeschlossen. Eines hat die mediale Darstellung dieser Revolution den Russen verdeutlicht - eine Revolution spült vermutlich wieder nur andere korrupte Kräfte an die Oberfläche, kostet aber sinnlos Menschenleben und treibt ein Land in den Abgrund. Egal, wohin die Ukraine die nächsten Stunden, Tage oder Wochen steuert - Putin sitzt weiter fest im Sattel. Und bitte versteht dies nicht als Lob an Putin - es ist einfach eine Feststellung.

Mutlose Flucht vor den Problemen des Friedens (15. März 2014)

Ein Land in Europa zerfällt, und keiner will es gewesen sein. Die Russen beschützen nur ihre Brüder, Europa schützt nur die Demokratie. Und keiner weiß, wo die Wahrheit liegt.

Natürlich bin auch ich der Meinung, dass der wohl inzwischen unvermeidliche Anschluss der Krim an Russland ein fatales geopolitisches Spiel auf dem Rücken eines entmündigten Volkes ist. Eine ungeheuerliche Provokation Russlands. Aber es fällt mir schwer, diese Meinung im russischen Freundes- wie Kollegenkreis mit Argumenten zu untermauern.

Denn wenn man die Vorgänge in der Ukraine in den letzten Wochen so anschaut, so gibt es nur ein einziges Argument: Eine Abtrennung von Teilen der Ukraine ist weder in der ukrainischen Verfassung noch im Völkerrecht vorgesehen.

Alle Kollegen und Freunde - viele sind gut informiert und schauen nicht nur das glorreiche staatliche Fernsehen - sind überzeugt: Die Bewohner der Krim sollen selbst abstimmen, wozu sie gehören möchten. Und wenn sie sich für Russland entscheiden - dann ist es ihr gutes Recht. Wenn in Kiew der Präsident verfassungswidrig abgewählt wird, so müsse sich auch die Krim nicht mehr an diese Verfassung halten.

Viele Russen halten es für richtig, dass Russland nicht auf Deutschland hört. Denn vor drei Wochen blieben Aufforderungen des russische Außenministers Sergej Lawrow an Frank-Walter Steinmeier ungehört: Statt die Kontakte zum Maidan zu nutzen und eine Einhaltung des Friedenabkommens und der Verfassung zu gewähren, schaute man dem sofortigen Putsch gegen Wiktor Janukowitsch entspannt zu. Auch als die neue (entgegen dem Abkommen einseitig besetzte) Regierung mit Beschlüssen gegen die Sprachvielfalt Öl ins Feuer goss , kamen keine mahnenden Worte aus Berlin, Warschau oder Paris.

Und ganz Russland ist sich sicher: Wenn der Maidan von Amerika finanziert war - einige Quellen mögen dies belegen -, dann kann, ja soll, Russland ruhig die Selbstverteidigung der Krim unterstützen. Man könne sich ja nicht alles gefallen lassen.

Natürlich spielt hier verletzter Stolz eine große Rolle. Verletzter Stolz darüber, dass sich zuvor weite Teile der Ukraine von Russland abgewendet haben - wegen ein paar hohlen Versprechen aus Europa, wie einer wirtschaftspolitisch zweifelhaften Annäherung an die EU. Verletzter Stolz darüber, dass man in Kiew während der durch die Olympiade erzwungenden Pflicht zur Zurückhaltung von europäischen Diplomaten überrumpelt wurde.

Man ist überzeugt, dass nur Russland Stabilität und Ordnung garantieren kann. Nirgends in der Ukraine geht es im Moment so ruhig zu, wie auf der Krim - da ist man sich sicher: http://cs413026.vk.me/v413026135/8cd7/RX6LNteM94U.jpg ("Freies Kiew / Okkupierte Krim"). Leider hinterfragt niemand, ob es ohne Einfluss jeglicher Schutzmächte (Europa in Kiew, Russland in Simferopol) nicht noch ruhiger sein könnte! Man ist schlicht davon geblendet, dass man irgendwo noch gemocht wird. Und welchem Volk schmeichelt dies nicht?

Und erst Recht angesichts der Tatsachen, dass die Krim 300 Jahre lang russisch war, mehrheitlich russisch bewohnt ist und bis heute einen der wichtigsten russischen Flottenstützpunkte beherbergt. Und dies hat "der Westen" scheinbar unterschätzt: Selbst wenn Russland die Ukraine an die EU und NATO verliert, einen amerikanischen Vorposten auf der Krim würde man niemals hinnehmen. So, wie die USA mehrfach in Südamerika eigene politische Interessen durchgesetzt hat, ist die Krim für Russland unverzichtbar.

Am ehesten kann man Russen aktuell noch mit Verschwörungstheorien aus der Reserve locken: Hat vielleicht Putin bewusst Janukowitsch fallen lassen, damit Russland unter dem Argument des Chaos' die Krim annektieren kann? (Immerhin ist es schon verwunderlich, wie schnell die 10.000 Selbstverteidiger in neutralen Uniformen bereit waren.) Oder wollte Putin zeigen, dass eine Revolution nur zu Chaos und dem Zerfall eines Landes führt? Oder wurde vielleicht der ganze Konflikt von Amerika initiiert, damit die europäisch-russische Freundschaft ins Wanken gerät und Eurasien nicht zu stark wird?

Kleine Hoffnungsschimmer, dass es in diesen Wochen noch vernünftige Menschen gibt, die sich nicht durch Kriegstreiberei auf beiden Seiten blenden lassen, habe ich dennoch. Unbekannte hatten an der Staatlichen pädagogischen Universität in Novosibirsk drei Banner aufgehängt:

"Krieg ist ein Verbrechen, welches durch den Sieg nicht gesühnt wird. (Anatole France)" [frei übersetzt]
"Waffen außerhalb des Landes haben wenig Wert, wenn zu Hause keine Vernunft herrscht. (Cicero)" [frei übersetzt]
"Krieg ist nur eine mutlose Flucht vor den Problemen des Friedens. (Thomas Mann)"

Die fünf beliebtesten Kommentare unter einem Artikel, welcher sich natürlich vorrangig den polizeilichen Ermittlungen zu diesen Plakaten widmete, stimmten den Zitaten vollkommen zu. Immerhin.

Frankreich 2015 (19. Juli 2014, in leicht veränderter Form erschienen im Eulenspiegel)

Stellt Euch mal vor:

Sommer 2015, Frankreichs Wirtschaft liegt aufgrund der starken deutschen Exportindustrie am Boden. Die Preise steigen, die breite Masse wird immer ärmer. Frankreichs Präsident spekuliert auf amerikanische Hilfen. Plötzlich kommt Deutschland, und bietet einen sehr günstigen Kredit, fordert aber eine vorrangige Verwendung für deutsche Waren. Frankreichs Präsident schwenkt spontan um, greift zu.

In Paris formiert sich Protest gegen den deutschen Einfluss. Und gegen den Präsidenten als Person. Die Polizei reagiert hart, was die Proteste nur anfeuert. Innerhalb von zwei Monaten wächst die Bewegung auf eine halbe Million protestierende Franzosen auf dem Champs-Élysées an. Der Präsident zeigt Unverständnis und polarisiert gegen die vom enttäuschten Amerika finanzierten Protestierer. Gérard Depardieu wird zum Gesicht der Proteste.

Die Lage eskaliert. Die Protestierenden, seit Tagen bewaffnet und verbarrikadiert, kündigen einen Marsch auf den Élysée-Palast an. Auf den Dächern erscheinen zunächst unbewaffnete Eliteeinheiten. Plötzlich wird geschossen - aus verschiedenen Richtungen und nicht nachvollziehbar durch wen. Rund 100 Tote. Die Außenminister der USA, Englands und Spaniens vermitteln unter Anwesenheit eines deutschen Regierungsvertreters Neuwahlen innerhalb von sechs Monaten, bei der Unterschrift lächelt Gérard Depardieu zufrieden.

Die Protestierenden bezeichnen Gérard Depardieu als Verräter. Der Präsident flieht unter dem Druck der Masse Hals über Kopf nach Deutschland. Die Protestierenden öffnen seine privaten Liegenschaften, veröffentlichen dort gefundene Briefe an dutzende Geliebte und bezeichnen das Haus künftig als "Museum des amourösen Amtsmissbrauchs".

Währenddessen formiert sich in den Gebieten an der deutschen Grenze ein Gegenprotest. Die unter zweifelhaften Umständen vom Champs-Élysées neue eingesetzte Regierung plant erste Gesetze - aus Sorge vor den Gegenprotesten ist beispielsweise vorgesehen, Elsässisch als Dialekt künftig zu verbieten. Alle Präfekten im Osten des Landes werden ausgetauscht, durch Schauspieler aus Paris. Ihre Popularität soll helfen, die Gegenproteste in Grenzen zu halten - aber das Gegenteil passiert.

Vollkommen unerwartet tauchen im Elsass schwerbewaffnete Männer in Tarnkleidung auf, welche nur gebrochenes Französisch mit deutschem Akzent sprechen. Diese umstellen das Gebäude des Regionalrats, riegeln die Grenze zu den Nachbarregionen ab und blockieren alle Armeestützpunkte. Der Regionalrat beschließt kurzfristig eine Volksabstimmung über Autonomie. Die Volksabstimmung wird mehrfach vorgezogen.

Bei der finalen Abstimmung - zur Wahl stehen nur noch eine Autonomie oder ein Anschluss des Elsass an Deutschland - stimmt bei einer enormen Wahlbeteiligung eine große Mehrheit für den sofortigen Anschluss an Deutschland. Deutschland gibt sich vollkommen überrascht, nimmt aber den Elsass nach 3 Tagen als 17. Bundesland auf und verspricht blühende Landschaften.

Während sich die Lage auf dem Champs-Élysées und im Elsass langsam beruhigt, werden die Konflikte in anderen östlichen Regionen Frankreichs immer heftiger. Auch Lothringen möchte nun zu Deutschland, selbst in der Region Champagne-Ardenne flammen die Proteste auf. Regionalräte werden besetzt, nun von schwarz maskierten Männern.

Paris reagiert mit Propaganda. Alle prodeutschen, antiamerikanischen Tendenzen wären ausschließlich von Deutschland finanziert - ganz Lothringen wäre auf der Seite von Paris und wünsche sich die neue Politik von Gérard Depardieu. Deutschland veröffentlicht ein mitgeschnittenes Telefonat, wonach Gérard Depardieu alle Deutschen vernichten möchte, die deutsche Kanzlerin bitte persönlich.

In Metz jagen pro-französische Aktivisten pro-deutsche Demonstranten durch die Stadt, diese fliehen in ein Gewerkschaftshaus. Die Aktivisten aus Paris zünden dieses an, 40 Menschen sterben. Die Polizei nimmt die überlebenden pro-deutschen Demonstranten fest und beschuldigen Sie des Todes ihrer 40 Kameraden.

Ein Untersuchungsausschuss zu den Schüssen auf dem Champs-Élysées kommt zum Schluss, dass diese eindeutig von den Eliteeinheiten des früheren Präsidenten kamen. Gegenteilige Stimmen werden ignoriert, Bäume mit Einschüssen aus der anderen Richtung sicherheitshalber gefällt. Deutschland veröffentlicht ein weiteres kompromittierendes Telefonat des belgischen Außenministers, welcher von möglichen Beweisen spricht, dass die Protestierenden selbst geschossen hätten. Die Presse in Frankreich und Amerika ignoriert dies, die Presse in Deutschland übernimmt dies als einzig mögliche Variante.

In Lothringen findet eine chaotisch organisierte Volksabstimmung für eine Autonomie statt. Hier spricht sich angeblich eine Mehrheit für eine Volksrepublik Lothringen aus. Deutschlands Kanzlerin äußert Respekt für diese Entscheidung, Amerika bezeichnet sie als illegal und völkerrechtswidrig.

Eine Woche später wählt Frankreich einen neuen Präsidenten. Mit absoluter Mehrheit wird der Eigentümer einer Schokoladenfabrik, welche auch den deutschen Markt bedient. Doch statt einer Befriedung eskaliert die Lage weiter.

In Lothringen wird ein Flughafen besetzt - die Armee bombardiert diesen. Unter den 50 Toten sind auch 30 Deutsche, was in Deutschland aber verschwiegen wird. Aber auch Paris verschweigt, dass es in den folgenden Tagen über 200 tote Zivilisten in Lothringen gibt. Frankreich wirft Deutschland eine unzureichende Sicherung der Grenze vor und veröffentlicht unscharfe Fotos von deutschen Panzern als Beweis einer Einmischung. Die deutsche Kanzlerin streitet dies ab. Im Internet tauchen Videos von französischen Kampffliegern auf, die auf Wohngebiete in Metz schießen.

Ein kurzfristiges Friedensabkommen, an dem nur Berlin, Washington und Paris, aber keine Vertreter aus Lothringen teilnehmen, wird von Paris kurz vor Abschluss abgelehnt. Als Konsequenz verurteilt Washington Berlin für das Anheizen des Konflikts.

Die Kämpfe werden immer stärker. Die Bevölkerung flieht in alle Richtungen. In der deutschen Presse werden lange Schlangen an der Grenze gezeigt, die sich aber später als Fotos von der spanischen Grenze herausstellen. In der französischen und amerikanischen Presse fliehen Alle nach Paris.

In Wirklichkeit fürchten die Menschen einfach um ihr Leben und es ist ihnen wirklich scheißegal, wo sie Zuflucht finden können - Hauptsache ihre Kinder werden nicht traumatisiert.

Vorläufiger Höhepunkt ist der Abschuss eines zivilen norwegischen Flugzeugs auf dem Weg nach Portugal. Paris veröffentlicht nicht überprüfbare Tonbandaufnahmen von pro-deutschen Separatisten, welche die Maschine für ein Transportflugzeug hielten. Lothringer Separatisten verweisen auf französische Kampfjets. Berlin beschuldigt Paris - mit Waffenstillstand wäre es nicht zu diesem Unglück gekommen.

Klingt vollkommen absurd? Kann in Europa doch nicht passieren? Hätte ich vor einem halben Jahr auch gesagt!

Gedanken eines Europa-Verstehers (14. Oktober 2014, erschienen im Kurier des Sächsischen Journalistenverbands)

Als Europa-Versteher hat man es in Russland im Moment schwer. Aus russischer Sicht gibt es so gut wie keine Argumente, welche für die Unterstützung der aktuellen Regierung in Kiew sprechen. Diese Sicht ist nur sehr begrenzt der zweifelsohne armseligen russischen Propaganda geschuldet. Viele Russen sind ernsthaft an einer Erklärung der europäischen Position zum Thema Ukraine interessiert – gerade weil sie gegenüber der eigenen Presse skeptisch sind. Aber bekommt man entsprechende Fragen gestellt, so schwingt bei den Russen auch der Zweifel mit, ob es mit der Objektivität in Europas Presse wirklich besser gestellt ist.

Nur wenige Russen bezweifeln, dass Wiktor Janukowitschs Regierung korrupt und unbeliebt war. Aber die Fragestellung, ob dies einen Regierungsumsturz – in russischer Sprachweise Putsch – rechtfertigt, sollte demokratisch sozialisierte Europäer zum Nachdenken bringen. Auch ein nicht unterzeichneter EU-Assoziierungsvertrag hätte problemlos nach den regulären Wahlen im kommenden Jahr nachgeholt werden könnten.

Die deutsche Regierung unterstützte nach den – bis heute ungeklärten – Schüssen auf dem Maidan einen Vertrag zwischen Opposition und damaliger Regierung. Wie erklärt man als Deutscher einem Russen, dass die deutsche Kanzlerin kurz darauf Julia Timoschenko und Witali Klitschko als Vertreter der Opposition empfängt, ohne den eklatanten Bruch dieses eben dieses Vertrages in irgendeiner Weise zu kritisieren?

Als Europa-Versteher muss man auch erläutern, warum in Europa die Vergangenheit der neuen Regierungsparteien kaum thematisiert wird – immerhin besuchte eine Vertretung von Swoboda einst die sächsische NPD-Fraktion – oder über sonstige Verfehlungen der neuen Macht großzügig hinweggeschaut wird.

Wieso freuen sich alle Europa-Versteher über die Demokratisierung in Kiew, wenn ein Freund von Oligarchen durch einen echten Oligarchen ersetzt wurde?

Auch in Russland sind viele skeptisch gegenüber der Euphorie der Krim-Annektion – sei es wegen der Vorbildwirkung auf abtrünnige Teile der russischen Föderation, wegen des Image-Verlusts für Russland oder wegen der Milliarden Rubel, welche auf die Krim fließen anstelle in die Krankenhäuser und Polikliniken Sibiriens.

Aber an der Notwendigkeit zum Schutz der russischen Minderheit vor nationalistisch gesinnten Ukrainern zweifelt kein Russe. Selbst wenn man als Europäer noch überzeugen kann, dass ein Verbot der russischen Sprache auch in Kiew nie ernsthaft zur Debatte stand, so fällt es schwer zu erläutern, warum nach dem Tod etlicher prorussischer Demonstranten in Odessa durch ukrainische Brandstifter die prorussischen Überlebenden in Haft kamen und nicht der zündelnde Mob. Oder warum der von der neuen Regierung aus Kiew als Gouverneur eingesetzte Oligarch Igor Kolomojski offen ein Kopfgeld auf prorussisch gesinnte Mitbürger aussetzen darf.

Jeder pazifistisch denkende Mensch müsste hinterfragen, ob das Schicksal der Krim im Nachhinein nicht besser war als die aktuelle Situation in Donetsk und Lugansk. Es starben keine Menschen, es wurden keine Kinder traumatisiert, keine Häuser zerstört – es gab eine unblutige Volksabstimmung für eine bescheidene, aber stabile Zukunft. Kiew konnte dies 20 Jahre lang nicht garantieren, Moskau kann es.

Zweifelsohne, ohne russische Freiwillige und ohne finanzielle Unterstützung aus unbekannten Quellen wäre die Lage in Donetsk nicht eskaliert. Aber wer finanziert die proukrainischen Einheiten? War Kiew im März nicht vollkommen pleite? Vielen Russen ist die zweifelhafte Legitimität der (pro)russischen Verbände bewusst – aber auch die nationalistischen ukrainischen Freiwilligen verdanken ihren Einfluss einzig dem bis heute nicht durch Wahlen bestätigten Regierungswechsel.

Russland ist der Besatzer in Donetsk? Russen verweisen gern auf die Flüchtlingszahlen – drei Viertel der Flüchtlinge gehen nach Russland und nicht ins ukrainische Kernland.

Innerlich hoffe ich immer, dass das gute Bild, was die deutschen Medien von Kiew malen, und das schlechte Bild, was wir von Russland präsentiert bekommen, vielleicht doch stimmen. Aber leider ist die Realität vielschichtiger und es fällt mir in Russland zunehmend schwer, für die europäische Sichtweise zu argumentieren.

Ich würde ganz sicher nicht unter den prorussischen Gorillas in Donetsk leben wollen, aber ebenso nicht unter den Demagogen im Nadelstreifenanzug aus Kiew.

Zwei Völker mit einer gemeinsamen Identität sprechen plötzlich mit Waffen. Wer hat dies aus welchem Grund in die Köpfe gesetzt? Wieso sterben 3000 Menschen, werden Kinder traumatisiert? Was ist der wahre Grund?


Sprachlosigkeit (27. August 2015)

Vor einem reichlichen Jahr wollte ich eigentlich noch eine E-Mail zur Schwulenproblematik in Russland schreiben, dann verdarb mir die Weltpolitik gründlich das Interesse, noch tiefgehende Mails über meine zweite Heimat zu schreiben.

Auch nach über einem Jahr im Ukraine-Konflikt bin ich sprachlos. Sprachlos, wie ein kleines Land von zwei Seiten so manipuliert wird, dass man einen Krieg dem friedlichen Zusammenleben vorzieht. Franken gegen Bayern, Berliner gegen Schwaben, Alle gegen Sachsen - auch in Deutschland ist man sich nicht immer wohlgesonnen. Aber eine Basis für einen bewaffneten Konflikt würde (hoffentlich) niemand in diesen Sticheleien sehen.

In der Ukraine hätte ich es immer genauso eingeschätzt. Ich war 2003 und 2006 dort unterwegs. In Lwow (Westukraine) konnte man ein paar launische Bemerkungen dazu vernehmen, dass ich Russisch und nicht Ukrainisch spreche - aber als Sachse ist man so etwas aus Deutschland gewohnt. Und auf der Krim wurde gern über den zwanghaften Gebrauch der ukrainischen Sprache gelästert - wie die Sachsen noch heute gern über "die Wessis" lästern. Alles halb so wild.

Und nun plötzlich erklärt mir jeder zweite Russe, dass die Ukrainer die Russen noch nie leiden konnten. Dass ohne russische Hilfe vermutlich die Bevölkerung der Krim genauso bombardiert worden wäre wie jetzt Donetsk, mit finanzieller und logistischer Unterstützung der Amerikaner.

Und nun plötzlich erklärt uns jeder ukrainische Politiker, dass die Russen die Ukrainer schon immer erobern wollten. Dass ohne ukrainische Angriffe auf Donetsk die russische Armee schon bald wieder in Torgau an der Elbbrücke stehen würde.

Ein absurdes Schmierentheater der Weltpolitik auf dem Rücken eines wohl unumkehrbar geteilten Volkes, dass sich dieser Manipulation von zwei Seiten offensichtlich noch immer nicht bewusst ist.

Die ostukrainischen Flüchtlinge sind in Russland oder der Westukraine untergekommen und stören in Heidenau und Freital niemanden. Also verschwindet das Thema aus der deutschen Presse.

Aber noch immer schießen wildgewordene Möchtegern-Patrioten aufeinander, denen offensichtlich in den wilden 1990ern kein anderer Sinn für das post-sowjetische Leben vermittelt wurde. Noch immer schaut die OSZE-Mission hilflos zu. Der ukrainische Präsident kommt extra nach Europa, um den bösen Ivan auf dem Bildschirm zu halten. Und eben jener lässt beim Zoll Öfen aufstellen, damit der Begriff Schmelzkäse Wirklichkeit wird. Statt endlich wirklich miteinander zu reden, gießt jeder noch ein wenig Öl ins Feuer. Obwohl die Ukraine schon längst kein Geld für Öl mehr hat.

Beide Völker leiden unter den wirtschaftlichen Folgen des Konflikts - bei gleichbleibenden Löhnen haben sich die Preise in Russland wie auch in der Ukraine verdoppelt. Aber man ist stolz darauf, es den Russen / Ukrainern / Amerikanern (Zutreffendes bitte unterstreichen) gezeigt zu haben!

Hurra, wir haben Krieg!

Ich werde nicht müde, in Gesprächen immer wieder Brecht zu zitieren: "Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin." Leider auch in Europa noch immer nur eine Vorstellung.

Wo bleiben die E-Mails aus Russland? (11. Juli 2017)

Seit nun mehr zwei Jahren keine E-Mails mehr aus Russland. Es ist schlicht zu schwierig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Es ist schwierig, Russland zu erklären, ohne in irgendeiner Schublade zu landen. Ich könnte wieder von Bürokratie erzählen oder von Fahrstühlen wie in den guten alten Zeiten. Aber seit drei-vier Jahren bewegen mich andere Themen und mir fehlt der Elan für Belanglosigkeiten.

Aber wie erklärt man Russlands Politik so neutral, dass man nicht sofort vom rechten Rand bejubelt und vom linken Rand verteufelt wird? Natürlich stehe ich zwischen den Stühlen, bin im Inneren westeuropäisch sozialisiert, aber sehe von Außen tagtäglich, wie ein extrem stolzes Volkes tickt.

Und dieses Volk fühlt sich nicht verstanden. Nicht verstanden, dass sie natürlich wirklich freiwillig den Kerl wählen, der schon seit 17 Jahren "Make Russia great again" praktiziert. Und zwar aus russischer Sicht auch noch extrem erfolgreich. Nicht wegen der Krim, wo man sich zwar als Bewahrer von Ruhe und Ordnung sieht, aber ansonsten eher die Rubel versickern. Sondern weil anders als vor 25 Jahren Löhne und Renten gezahlt werden, die Leute ein Auto haben, sich einen Urlaub in der Türkei leisten können, vielleicht eine neue Eigentumswohnung. Putin blamiert sich nicht besoffen vor Merkel wie Jelzin bei Kohl. Und er zelebriert kein Leben in Saus und Braus, wie manche Oligarchen, die sich zwischenzeitlich als Bewahrer der Demokratie präsentierten.

Absurd? Nicht ganz. Keiner wird behaupten, dass Angela Merkel aufgrund ihrer politischen Linie innerhalb der CDU beliebt ist. Und? Vergangenes Jahr wurde sie mit 89,5 Prozent als Bundesvorsitzende bestätigt. Dagegen sehen die 64,3 Prozent bei der Wahl Putins zum Präsidenten eher kläglich aus. Auch seine Politik ist im Land nicht umumstritten - aber er wird von allen Optionen als die beste wahrgenommen.

Demokratie wird - auch wenn uns das mit unserer westeuropäischen Erfahrung nicht logisch erscheint - in Russland als schlechte Erfahrung angesehen. Wenn eine Interessengruppe mehr als zwei Demonstrationen in Folge auf die Beine stellt, fragt man schon skeptisch, wer da dahinter steckt. Amerikanische Agenten? Europäische NGOs? Natürlich werden solche Gedanken über Massenmedien angeregt. Aber ohne die schlechten Erfahrungen der wilden 1990er wäre dies nicht möglich. Damals glaubten viele Russen den Wahlversprechen der selbsternannten Demokraten und mussten in der Folge die Aufteilung der einst stolze Volkswirtschaft unter wenigen Oligarchen mit ansehen. Dann doch lieber Zar Putin, welcher mit Gazprom die Rohstoffe wieder verstaatlicht hat und so Russland nahezu entschulden konnte.

Und nun aber bitte nicht glauben, dass ich nächstes Jahr Putin wählen werde, auch wenn ich das inzwischen darf. Nein, ganz bestimmt nicht. Weder halte ich die Außenpolitik für klug. Noch finde ich es gut, wenn ein Land über so lange Zeit von ein- und derselben Person geleitet wird. Es fehlt jegliche Innovation, rund um die Macht sammeln sich nur noch hörige Handlanger und Opportunisten. Es wird immer mehr inszeniert und popularisiert, wie in der gesamten Weltpolitik.

Nun ist es also doch eine versuchte Erklärung geworden. Ohne Fahrstühle.



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