Rundgang durch eine junge Stadt

Novosibirsk ist mit reichlich 110 Jahren eine recht junge Stadt und hat auf den ersten Blick recht wenige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Dennoch soll hier der Versuch gemacht werden, das vorhandene Grau interessant zu machen. Der Übersicht halber, ist der Rundgang in drei Teile unterteilt - pro Teil sollte man mindestens eine Stunde einplanen.

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Teil 1: Bahnhof, Metro und Leninplatz
Teil 2: Das alte stille Zentrum
Teil 3: Der Süden des Stadtzentrums

Einige Worte zur Geschichte der Stadt

Dort, wo heute das Stadtzentrum liegt, war Ende des 19. Jahrhunderts noch ein Wald. Die ersten Bewohner waren die Bauarbeiter der Eisenbahn. Sie nannten ihre Siedlung Nowonikalajewsk, zur Ehren des Imperators Nikolai. In den Wald wurde eine Schneise geschlagen, von der man nach links und rechts hin die Häuser baute. Diese Schneise bildet heute die Hauptstraße, den "Krasny Prospekt" ("Красный проспект"). In den Folgejahren wuchs die Bevölkerung rasant:

1896:5.000 Einwohner
1899:14.000 Einwohner
1903:22.257 Einwohner
1907:47.000 Einwohner
1910:52.695 Einwohner
1913:86.000 Einwohner (ohne Vororte)

1903 erhielt die Siedlung den Status einer einfachen Stadt, 1909 die vollen Stadtrechte. Im selben Jahr vernichtete ein Großbrand 22 Quartale, rund 800 Häuser. Beim Wiederaufbau achtete man darauf, dass entlang der Hauptstraße fortan nur noch Häuser aus Stein gebaut wurden. Früher als in anderen sibirischen Städten wurden die Straßen gepflastern und die Fußwege asphaltiert. Es gab bereits elektrisches Licht und Telefon. Zwölf Schulen wurden errichtet, welche beispielhaft für ganz Russland waren.

Ende des 1. Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts gab es bereits sieben orthodoxe Kirchen, sieben Banken und eine Handelsbörse. Kurz vor der Oktoberrevolution war Nowonikolajewsk zu einer großen Industriestadt mit mehr als 40 Schulen, Kinos, einer Hochschule, einer Schiffswerft und mehreren Kirchen verschiedener Konfessionen angewachsen.

1917 übernahmen Arbeiter und Soldaten die Stadt. Nowonikolajewsk wurde ein wichtiger strategischer Punkt für die Armee der Monarchie, wurde jedoch 1919 von der Roten Armee erobert. 1921 wurden unter Lenin Verwaltungseinrichtungen von Omsk nach Nowonikolajewsk verlagert, und die Stadt wurde die Hauptstadt der Region.

1925 wurde die Stadt auf Wunsch der Einwohner in Nowosibirsk umbenannt. Während der Hungerperiode in den Jahren 1932 und 1933 kamen mehr als 170.000 Flüchtlinge nach Nowosibirsk und ließen sich in Holzsiedlungen am Rande der Stadt nieder, die teilweise noch heute existieren.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurden mehr als 50 industrielle Fertigungsanlagen aus dem europäischen Teil der Sowjetunion nach Nowosibirsk verlagert, und die Stadt wurde ein Rüstungszentrum der Roten Armee. So wuchs die Einwohnerzahl von 404.000 Einwohnern im Jahr 1939 auf 885.000 im Jahr 1959.

Ab 1954 fuhr die erste Straßenbahn in Novosibirsk. 1955 wurde die Straßenbrücke über den Ob errichtet. 1957 wurde der Ob-Stausee zum Zweck der Stromgewinnung gebaut.

Nachdem bereits 1943 die sibirische Abteilung der Akademie der Wissenschaften in Nowosibirsk eröffnet wurde, begann 1957 am Ufer des Stausees der Bau des Stadtteils Akademgorodok - ein Wissenschaftlerstädtchen. Dies war der Grundstein für die Entwicklung zum Ausbildungszentrum - heute hat die Stadt 24 Hochschulen und etlichen Institute.

Anfang der 60er-Jahre erreichte Nowosibirsk eine Größe von mehr als einer Million Einwohnern. 1979 wurde mit dem Bau der Metro begonnen, eröffnet wurde die erste Linie 1985. Ende der 1980er Jahre lebten über 1,4 Millionen Menschen in der Stadt - seitdem ist die Bevölkerung stabil geblieben.

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